Darf ich vorstellen, ich bin „man.“

(Sorry, only in German available because it’s language-dependent. If somebody of my friends has an idea how to translate, please tell me.)

Hallo, ich bin’s, “man.”
Ich sage dir schon von frühauf was du darfst, was wie geht, wie du etwas zu tun hast und was du auf keinem Fall tun darfst.
Wir haben uns sicherlich schon kennengelernt:
So was macht man nicht.
Wenn man …., dann macht man das so….
Man kann eben nicht anders.
Das macht man so.
Was soll man da machen?
Man hat ja Verpflichtungen.
Heutzutage muss man ja… (Das Wort „müssen“ verdient einen eigenen Exkurs.)
Kurz, „man“ sagt alles und nichts.

Nichts Konkretes, das man aber für alles voller Überzeugung einsetzt. Am liebsten dann, wenn wir uns nicht erklären können, warum wir das so machen, so sehen oder so bewerten. „Man“ steht für die Summe aller gesellschaftlichen Konventionen, die auch genau von unserer Gesellschaft aufgestellt wurden — meist über Hunderte von Jahren. Das macht den Einsatz von „man“ so selbstverständlich. Denn diese Selbstverständlichkeit verhindert im ersten Schritt nachzudenken und im zweiten, eigenverantwortlich zu handeln.

Aber weg von dir — du bist nicht wichtig — zurück zu mir, zu „man.“

Du kannst mir ruhig dankbar sein. Ich bin auch deine universell einsetzbare, perfekte Entschuldigung in allen Lebenslagen. Ohne mich wärst du andauernd gezwungen Situationen, das eigene Leben und Sein bewusst zu analysieren. Stell’ dir das mal vor? Und dann stell dir vor, es gibt Antwort auf dein Hinterfragen — Antworten, die dir so gar nicht passen. Glück gehabt. Du hast ja mich — das „man.“ Auch wenn meine „man“-Regeln schon ziemlich alt sind, sie haben Bestand. Und was solange gilt, muss ja gut sein. Ist so. Man kann ja denken was man will.

Falsch. Für wen ich, als „man“ vordenke, der oder die muss selbst nicht mehr denken. Oberflächlich betrachtet eine Komfortzone. Realistisch gesehen, eine samtbezogene Matrix mit Sitzheizung, in der sich die Meisten befinden und die sie auch nur schwer verlassen wollen, weil es mit Arbeit an sich selbst zu tun hat. Kann man machen, muss man aber nicht. Alles so lassen wie es ist. Man hat’s so einfacher. Schöner, glücklicher, zufriedener — kann man jetzt auch schwer sagen, oder?

Jedenfalls kann ich eins mit Sicherheit sagen: Ich, das „man“, bin du. Mich gibt’s nur, weil du mich zulässt und auf mich hörst. Weil du Regeln akzeptierst, die irgendwer, irgendwann aufgestellt hat und du sie zu deinen eigenen Regeln machst. Ohne Wenn und Aber. Aus Prinzip. Aus welchem eigentlich? Zum Beispiel eines der wichtigsten, allumfänglichsten und stärksten Prinzipen, das wie ein verbaler Flächenbrand wirkt: 
Das kann man ja nicht machen.

Man nicht.

Du, ja.

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